Es war letztes Jahr im April. Richard Gere, seines Zeichens Hollywoodstar, schnappt sich auf einer Pressekonferenz die Bollywood-Schönheit Shilpa Shetty und küsst sie mehrmals auf ihre Wange.

Jene Szene löste ein Sturm der Entrüstung in Indien aus. Scharen von aufgebrachten Menschen protestierten, setzten Bilder des Übeltäters in Brand und skandierten Parolen wie „Berührt unsere Frauen nicht“ oder „Das verstößt gegen indisches Ethos“.

Bei solchen Bildern stelle ich mir immer die Frage: Haben die Leute nichts anderes zu tun, als bei jedem kleinen  Misst auf die Straßen zu ziehen? Ich denke, dabei handelt es sich womöglich um einen neuen Trend. Die protestierende Zunft verweilt zunächst einmal irgendwo im Dunkeln, bis dann eines Tages die erhoffte Nachricht eintrifft. Zügig geht es anschließend auf die Barrikaden.

Arbeitslosigkeit, Hungers- und Geldnot hin oder her. Die Frage ist doch, wieso bin ich hier und nicht dort auf der Straße, dort, wo es um die wesentlichen Dinge des Lebens geht, wie eben gegen den Lümmel aus Amerika in den Kampf zu ziehen!

Hierzulande wird jene „Eigeninitiative“ sogar belohnt. Unter dem Motto „Rent a demonstrant“ ziehen Leute los, zumeist Studenten, schwenken Fahnen, singen Parolen ab und bessern dabei ihre Kasse auf – eine Art Demo-Söldner gewissermaßen.