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Es sind zig meterhohe vergoldete Säulen, die das Foyer des Hessischen Rundfunks in Frankfurt schmücken. Säulen, die man sonst in einem Palais oder Museum zu sehen bekommt. Klar Rundfunk ist Kunst – dachte ich mir beim Betreten der so genannten Goldhalle -, doch jene Kunst geht in diesem Fall wohl ein wenig zu weit.
Für dieses Kunstwerk war aber kein größenwahnsinniger Intendant verantwortlich, nein, die heutigen Räumlichkeiten des HR hatten ursprünglich eine ganz andere Bestimmung. Die Bertramstraße im Stadtteil Dornbusch sollte einst die Heimat des Deutschen Bundestags werden, doch Konrad Adenauer hatte etwas dagegen.
Die Goldhalle FOTO: Ich
Woher man das weiß? Blöde Frage! Allgemeinbildung natürlich! Nein, nicht wirklich, jenes Wissen habe ich mir nach der gestrigen Exkursion zum Hessischen Rundfunk angeeignet. Wir folgten der Einladung unseres Dozenten, nicht nur zum Vergnügen, es ging auch um Arbeit. In diesem Semester produzieren wir nämlich Radiobeiträge, die Ende Dezember auf HR-Info zu hören sein werden.
Es geht um Multikulti in Deutschland. Es geht um Konvertiten, es geht um Dietzenbach, einen der sozialen Brennpunkte Hessens sowie um Jugendliche mit… und jetzt kommt’s, Migrationshintergrund – ein Wort, das man nicht oft genug erwähnen kann.
Zurück zum HR, der sich die Goldhalle wohl auch selbst hätte leisten können. Denn ökonomisch geht es der Landerundfunkanstalt durchaus gut. „Man kann nicht klagen“, lautete die einhellige Meinung der Mitarbeiter. Da ist was dran, zieht man allein die Werbegeschenke in Betracht, so geht es dem HR gar hervorragend: Zum Abschluss durfte jeder von uns einen 1-GB großen USB-Stick einheimsen – wenn das nichts ist! Da kann sich mein heimischer SWR eine Scheibe davon abschneiden – in Stuttgart gab es nicht einmal einen Kuli!
Es war letztes Jahr, im Sommer. In einem maßgeschneiderten Feldanzug marschierte ich mit zwei Kameraden zum Einsatzort. Die Anspannung war groß, in Kundus konnte der Feind praktisch an jeder Ecke lauern. Und plötzlich ging es los, eine laute Explosion, zischende Kugeln, über uns ein Blackhawk-Hubschrauber der Amerikaner, das volle Programm also…
Okay, okay, da ging gerade die Fantasie mit mir durch. Diese Geschichte stimmt nur zum Teil, zum ganz kleinen Teil. Ich war nämlich tatsächlich mit zwei Gleichgesinnten im Feldanzug unterwegs, aber nicht in Afghanistan, sondern in baden-württembergischen Calw. Und auch was die Action anging, so hat sich das Ganze etwas anders zugetragen: Es war ein harmonischer Tag (jedenfalls im Sommer!), die Vögel zwitscherten und ganz in der Nähe marschierte ein Kindergarten-Trupp friedlich durch Felder – aus dem Militär-Jargon komme ich nun wohl gar nicht mehr raus.
Jetzt aber ernsthaft: Ich durfte als bekennender Bundeswehr-Verweigerer einen Soldaten mimen und zwar im Spielfilm „Nacht vor Augen“. In diesem Drama geht es um einen aus Afghanistan heimgekehrten Soldaten, der sein Kriegs-Trauma verarbeitet. In der Hauptrolle ist Hanno Koffler (Anatomie 2/Der Rote Baron) zu sehen.
Tolles Filmposter, aber wo bitte schön ist mein Name?!
Mein glorreicher Auftritt beschränkte sich auf rund zwei Minuten und ich darf wohl froh sein, wenn in jener Szene nicht nur meine Rückseite zu sehen sein wird – die in der Sonne schimmernde Glatze wird jedenfalls hervorstechen. Überzeugt habe ich sicherlich allemal und das ohne jeglichen Schauspielunterricht (ich hoffe, die Selbstironie wird spätestens an dieser Stelle wahrgenommen).
Fakt ist, dass ich noch immer auf die Ausstrahlung meiner ersten Gehversuche im Filmgeschäft warte. Sowohl die Produktionsfirma als auch der SWR sind nicht im Stande einen endgültigen Termin zu nennen. Unfassbar! Nun ja, bevor die ersten Kritiker in einschlägigen Magazinen, Zeitungen und TV-Sendungen über mich herfallen, genieße ich meinen Erfolg. Und wehe dem, der die Szene rausgeschnitten haben sollte!
Update folgt (hoffentlich in Kürze).





