clipboard11Man guckt hin und kann es nicht glauben: Nazi-Propaganda in einer deutschen Zeitung, ganz ungeniert und völlig legitim und wir haben nicht mal April!

Ja, jenes Szenario gibt es tatsächlich an deutschen Zeitungskiosken. Der britische Verleger Peter McGee bringt unter dem Namen „Zeitungszeugen“ alte NS-Kampfblätter aus den Jahren 1933 bis 1945 als Faksimile in die Regale. Von gestern an darf sich jeder für 3,90 Euro die geschichtlichen Großereignisse von Hitlers Machtergreifung bis zum Weltkriegsende durch zeitgenössische Kommentare und Schlagzeilen selbst „erlesen“.

Drei Zeitungen vom 30. Januar 1933, dem Tag, an dem Adolf Hitler Reichskanzler wurde, werden in der Startausgabe vorgestellt. Die nationalkonservative „Allgemeine Deutsche Zeitung“, das Kommunistenblatt „Kämpfer“ sowie die von Joseph Goebbels herausgegebene NS-Gauzeitung „Der Angriff“ in der er in seiner ersten Kolumne mächtig auf den Putz haut und vom „Reinen Tisch machen“ schreibt.

Die Kritik an diesem gewagten Wochenblatt hält sich bislang in Grenzen. Charlotte Knobloch etwa, die Präsidentin des Zentralrats der Juden, hat sich zwar skeptisch geäußert, doch so richtig dagegen ist die Dame auch nicht.

Weil es eben eine heikle Sache ist, Nazi-Propganda jedem zugänglich zu machen, hat sich McGee abgesichert und den Segen von zahlreichen deutschen Geschichtswissenschaftlern geholt, die der Reihe das Unbedenklichkeitssiegel verliehen.

Insgesamt wird es 51 Ausgaben von „Zeitungszeugen“ geben, also rund 150 nachgedruckte Zeitungen.