Es war ein eisig kalter Tag in Ulm, als ich am vergangenen Wochenende den Appellplatz des Konzentrationslagers Oberer Kuhberg betrat. Kälte, mit der die Häftlinge permanent zu kämpfen hatten, als sie etwa zu Winterzeit in nassen Klamotten appellierten oder als sie im Regen zur Leibesübungen aufgefordert wurden. Unter den Gefangenen befand sich damals auch ein gewisser Kurt Schumacher.
Kurt Schumacher? Ja, da war doch was. Richtig, sein Haupt ist auf der guten alten 2-DM-Münze zu sehen. Und der Mann schmückt jenes Geldstück nicht umsonst. Kurt Schumacher, einstiger Gegenspieler Konrad Adenauers und einer der Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland, war in der Nachkriegszeit Vorsitzender der SPD und hatte maßgeblichen Anteil am Wiederaufbau der Partei. Ich muss eingestehen, dass auch ich den Namen nicht sofort zuordnen konnte – dürftige Allgemeinbildung!
Bevor Schumacher jedoch politische Geschichte schrieb, wurde er knapp zehn Jahre in diversen Arbeits- und Konzentrationslagern der Nazis festgehalten. Unter anderem eben auch im KZ Oberer Kuhberg, das um 1850 als Teil der Bundesfestung Ulm errichtet wurde.
Dort wurden zwischen November 1933 und Juli 1935 über 600 politische und weltanschauliche Gegner des NS-Regimes eingesperrt, malträtiert und gedemütigt. Den Peinigern ging es in erster Linie nicht um physische Gewalt, viel mehr stand die psychische Bestrafung an der Tagesordnung, resümierte unser Führer – nein, nicht der mit dem knappen Schnurrbart!
Zwar wurde im KZ Oberer Kuhberg niemand ermordet oder vergast, doch was sich später in Lagern solcher Art abgespielt hatte, das wissen wir alle – bis vielleicht auf die Pius-Bruderschaft und einige Typen aus dem Iran.
Der Rundgang weckte alte Erinnerungen in mir: Ich erinnerte mich an die Schulzeit. Damals, als wir im Winter mit der Klasse das Konzentrationslager in Dachau besuchten. Unser Lehrer, der über eine ausgeprägte sadistische Ader verfügte, ließ in klirrender Kälte verlauten: „Wir werden den gesamten Weg vom Bahnhof bis zum Konzentrationslager zu Fuß zurücklegen, dann wisst ihr was damals die Gefangenen durchmachen mussten!“






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