Ausgeschlafen und mit dem notwendigen nüchternen Blick für das politische Weltgeschehen geht es nun ins Detail.

Rund acht Monate nach seinem Wahlsieg hat der Hype um Barack Obama zwar etwas nachgelassen, trotzdem ist der Politiker für das Gros der Menschheit immer noch ein Hoffnungsträger.

Liar?Die Dokumentation „Der Obama Schwindel“, ja, der Film aus der vergangenen Nacht, bezichtigt den 44. US-Präsidenten jedoch der Lüge. Hier nun die wichtigsten Erkenntnisse über den Mann, der angeblich von einer Organisation gesteuert wird, die die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Sämtliche Vorwürfe wurden selbstverständlich gefactchecked – ich liebe dieses Wort!

Zunächst einmal versprach Obama mit der verbockten Arbeit seines Vorgängers George Bush aufzuräumen. Während seines Wahlkampfes beharrte er darauf, nach seiner Amtseinführung die US-Truppen unverzüglich aus dem Irak abzuziehen. Was passierte? Aus der Deadline von sechs Monaten wurden 16, die Obama dann auf 23 Monate verlängerte. Inzwischen wird der Abzug bis Ende 2011 angepeilt.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf Obamas Agenda war die Schließung des Guantanamo-Gefängnisses. In der ersten Woche seiner Legislaturperiode besiegelte er scheinbar mit einem Erlass die Aufgabe der Haftanstalt. In Wahrheit ging es jedoch in diesem Papier lediglich um eine Option, das Gefängnis innerhalb eines Jahres schließen zu wollen.

LügeFerner erlaubt jener Erlass immer noch die Praxis der geheimen Verhaftungen und Entführungen potentieller Terroristen, die somit weiterhin ins Ausland ausgeflogen und dort der Folter ausgesetzt werden dürfen.

Barack Obama sprach sich auch gegen den „Patriot Act“ aus – zumindest vor der Amtseinführung. Als Präsident stimmte er wiederum für die Legalisierung des Gesetzes, das die Amerikaner in ihren Bürgerrechten enorm einschränkt.

Auch was die Neuverhandlung des NAFTA-Freihandelsabkommens angeht, machte Obama einen Rückzieher. Anfänglich – also vor seinem Sieg – versprach er der amerikanischen Arbeiterschaft das Abkommen gerechter für sie zu gestalten. Dann wurde aber bekannt, dass jene Aussage nichts weiter als ein Lippenbekenntnis war. Obamas Sprecher redeten von „Wahlkampfrhetorik“, die nur im Sinne hatte, Wählerstimmen zu sichern.

Der 44. US-Präsident sprach auch davon, die Regierung in Washington zu säubern uns sie von Lobbyisten zu befreien. Nach der Amtseinführung besetzte er jedoch zahlreiche Positionen im Weißen Haus und im Regierungsstab mit notorischen Geldgebern.

ObamaUm nur einige Übeltäter zu nennen: Da wäre beispielsweise William Lynn, bekannter Lobbyist des Rüstungskonzernes Raytheon. Lynn wurde zum stellvertretenden Verteidigungsminister ernannt. Timothy Geithner, ehemaliger Präsident der Federal Reserve Bank von New York, wurde zum Finanzminister gewählt. Geithner hat daraufhin seinerseits diverse Positionen im Finanzministerium mit Lobbyisten, darunter mit Interessenvertretern der Goldman Sachs Group besetzt.

Als Lobbyist der saudischen Königsfamilie wurde George Mitchell zum Nahost-Beauftragten berufen. Top-Lobbyist der Wall Street, Leon Panetta, wurde zum neuen CIA-Chef ernannt und Tom Daschle, langjähriger Interessenvertreter der Gesundheitsindustrie, durfte sich über den Posten des Gesundheitsministers freuen, ehe er aufgrund eines Verstoßes gegen das Steuergesetz zurücktreten musste.

Dem Historiker und Geo-Analytiker Webster Tarpley und dem Ökonomen George Humphrey zufolge ist Barack Obama jetzt schon eine gewaltige politische Enttäuschung der letzten Jahrzehnte.

Über die beiden Experten, die in dem Film ihre Ansichten zum Ausdruck bringen, sollte noch folgendes gesagt werden: Beide Sachkenner, sowohl Tarpley als auch Humphrey sind überzeugte Verschwörungstheoretiker, die unter anderem auch die Anschläge am 11. September der US-Regierung anlasten.

Obwohl sie demnach gewissermaßen befangen zu sein scheinen was den gesamten Tenor des Films angeht, ist es durchaus sinnvoll für einen liberalen Menschen durch die Dokumentation über den Tellerrand hinaus zu blicken. Auch schadet es nicht über die andere etwas unpopuläre und bis dato verkannte Seite des Barack Obama Bescheid zu wissen. Jede Medaille hat bekanntlich mindestens zwei Seiten. Mit dem erhobenen Zeigefinger verabschiede ich mich nun.