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Ich glaube heute war es so weit. Nach schier endlosen Warteschleifen und zahllosen inkompetenten Kunden-betreuern nahm ein völlig entnervter Vodafone-Kunde seinen Mut zusammen, dazu seine Schrottflinte aus dem Schränkle des Großvaters und machte sich auf nach Weil im Dorf, um der dort angesiedelten Vodafone-Zentrale einen Besuch abzustatten.
Das ist natürlich nur eine vage Vermutung. Doch als ich heute morgen in der S-Bahn saß und die Haltestelle in Weil im Dorf passierte, herrschte dort – etwas überspitzt gesagt – Ausnahmezustand. Während Polizei und Feuerwehr das Gebiet weiträumig absicherten, strömten fluchtartig Menschenmassen aus dem Gebäude. (Jetzt habe ich mich selbst dabei erwischt, wie ich zum Übertreiben neige, wohl arbeitsbedingt…)
Es wurde mich aber nicht verwundern, wenn meine Version der Geschichte stimmen würde. BILD bleibt dran, ähm, ich bleibe dran.
UPDATE: Der Feuerbacher Feuerwehr zufolge handelte es sich nur um einen Brandmeldealarm und um einen falschen obendrein.
Ich sage nur, jawohl Rupert, mach es! Denn: Der Medienmogul Murdoch will künftig die Online-Leser seiner Zeitungen zur Kasse bitten – darüber berichtet der aktuelle SPIEGEL/Spiegel-Online im Artikel „Hoffnung in Lachsrosa“.
Spiegel-Online zufolge denkt auch der Axel-Springer-Verlag darüber nach bis Herbst Paid-Content-Angebote bei einigen seiner Lokalblätter einzuführen. Möglich also, dass Online-Journalisten bald mit einer Gehaltserhöhung rechnen können, das wäre toll, sage ich mal ganz befangen.
Und da alle guten Dinge drei sind, noch einmal SPIEGEL: Von heute an zeigt sich Spiegel-Online in einem neuen Design, der Relaunch wurde vollzogen und das hat sich geändert.
Er hat uns nicht belogen, er hat immer die Wahrheit gepredigt! Wir waren noch jung und brauchten das Geld, nee falsch – wir glaubten nicht seinen Worten! Wir dachten, wir wissen es besser, nun wissen wir nichts mehr.
Trotz anfänglicher Skepsis nehme ich hiermit alles zurück und verneige mich vor Ihnen, Professor Schöhl aus dem Recherche-Seminar!
Die vielen ermüdenden Stunden, die zahllosen Referate, das Pauken hunderter Such-Befehle und Operatoren – das alles hat sich gelohnt! Denn, die Datenbank Lexis-Nexis scheint tatsächlich eine gewichtige Rolle für Journalisten zu spielen. Niemand geringeres als der SPIEGEL verwies auf die Fachdatenbank im Artikel „Wo bleibt Hillary Clinton?“ in der Ausgabe 28. Dort heißt es:
„Die Häufigkeit, mit der ihr Name in der Presse-Datenbank Nexis erwähnt wird, erreichte im Mai den bisherigen Tiefpunkt: Nur noch 902 Erwähnungen in einem ganzen Monat wurden registriert. Als Clinton sich im Februar 2008 mitten in der heißesten Phase des Vorwahlkampfs befand, kam sie auf über 10000 Erwähnungen.“
Professor Schöhl, wir haben Sie maßlos unterschätzt, mögen Sie Ihren wohlverdienten Ruhestand sinnvoll nutzen!
Unausgeschlafen stehe ich heute morgen am Stuttgarter Hauptbahnhof und vernehme leicht benebelt die Nachrichten auf dem Infoscreen. „Michael Jacksons Großmutter erhält Sorgerecht für seine Kinder“, flitzt es da über die Anzeige.
Moment mal, Michael Jacksons Oma? Da stimmt doch was nicht. Die liebe Dame würde sich wohl im Grabe umdrehen und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Großmama ist längst dahingeschieden.
Den Schnitzer mit der Großmutter leistete sich auch die Bunte-Redaktion im Juli. Dort war ebenfalls die Rede von Jackos Omi, die dann plötzlich Katherine hieß – wie die Mutter von Michael.
Jaja, es sind ganz seltsame Dinge, die sich um den Tod des „King of Pop“ ranken. Viertes Kind, Samen-Spende vom Arzt und jetzt ist auch noch die tote Oma im Spiel…
Die SPD befindet sich derzeit bekanntlich im Tiefflug. Grund genug für den Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier aktiv zu werden und neue Wähler zu gewinnen – möglichst auf allen verfügbaren Kanälen.
Beispielsweise via Twitter. Ja, auch Frank-Walter Steinmeier hat dieses soziale Netzwerk als politisches Sprachrohr entdeckt, um potentielle Wähler zu durchleuchten und zu ködern – mit elf Tweets agiert er bis dato jedoch etwas zurückhaltend.
Hier ein nettes Statement vom 7. Juni, kurz vor der Bekanntgabe der Europawahl-Ergebnisse: „Noch 5 Minuten bis zur ersten Prognose, schnell noch aufs Klo“. Dort hätte er sich wohl am liebsten verbarrikadiert, betrachtet man das katastrophale Abschneiden seiner Partei.
Seit heute ist der Sozialdemokrat auch mein Follower, er weiß also von nun an, was bei mir so abgeht. Nach Cindy von Marzahn und dem Satire-Magazin Titanic ist Steinmeier mein prominentester Anhänger. Meine Stimme hat er dadurch nicht, aber: Danke Frank-Walter!
Im Rahmen einer Hausarbeit hatte ich die Ehre ein Interview mit Gabriele Rittig führen zu dürfen. Gabriele Rittig ist seit 1989 Rechtsanwältin des Satire-Magazins Titanic. Einmal im Monat nimmt sie die aktuelle Ausgabe des Magazins unter die Lupe, um die Redaktion vor strafrechtlichen Konsequenzen zu bewahren. Im Interview spricht die Anwältin für Presserecht über ihre Arbeit, das Satire-Verständnis in Deutschland und verrät welche Partei keinen Sinn für Humor hat.
Frau Rittig, wie viel Spaß verstehen Sie?
Genug offenbar.
Ist es von Vorteil, als Anwältin eines Satire-Magazins eine ausgeprägte Ader für Humor zu haben?
Selbstverständlich, sonst könnte ich mich in die Texte ja nicht hineindenken.
Sie nehmen jede Ausgabe des Magazins unter die Lupe, wie kann man sich das vorstellen, worauf achten Sie dabei?
Ich lese alle Texte, die von meinen durch mich ja schon wunderbar ausgebildeten Redakteuren als potentiell gefährlich eingestuft wurden und achte insbesondere auf Formalbeleidigungen wie Idiot, Knalldepp, Oberpfeife und natürlich auch auf Behauptungen, die beleidigend wären, stimmten sie nicht oder wären nicht durch einen entsprechenden Anlass seitens der betroffenen Person ausgelöst.
Halten die Redakteure auch schon mal während eines Artikels Rücksprache mit Ihnen?
Ja, aber das kommt nicht allzu häufig vor.
Kommt es vor, dass eine Ausgabe ohne jegliche Beanstandung Ihrerseits abgesegnet wird?
Ja, häufig.
Haben Sie derzeit viel um die Ohren?
Nein, zurzeit ist es eher ruhig.
Wie sind Sie eigentlich zum Titanic-Magazin gekommen?
Lange Geschichte, ich kannte Peter Knorr (Einer der Gründer des Magazins) aus meiner Zeit als Praktikantin beim Hessischen Rundfunk schon aus den 70er Jahren, und wollte ursprünglich über „Satire und Justiz“ promovieren, ein leider nicht abgeschlossenes Werk.
Ihr Lebensmotto lautet: Widerstrebt viel, gehorcht wenig. Mit dieser „auflehnenden Einstellung“ sind Sie wohl genau richtig bei einem Magazin, das gewissermaßen gegen den Strom schwimmt.
In der Tat.
Ich entnahm Ihrer Vita, dass Sie zum Verhältnis Satire und Justiz wissenschaftlich geforscht haben. Was genau haben Sie gemacht?
Wie schon erwähnt, habe ich in meiner Zeit als wissenschaftliche Assistentin eine Dissertation über Satire begonnen, die leider unvollendet blieb. Ich habe damals die noch erhebliche konservativere und schlecht dokumentierte Rechtsprechung zu Satireprozessen dokumentiert und ausgewertet.
Journalismus gilt als eine Ihrer Vorlieben. Haben Sie auch selbst für das Magazin geschrieben?
In den frühen Jahren habe ich einiges in Titanic veröffentlicht, über die laufenden Prozesse zum Beispiel, aber auch zwei oder drei andere Beiträge über Spanien, einen zusammen mit Borowiak (Simon Borowiak, ehemaliger Redakteur bei Titanic). Früher war ich auch bei den Konferenzen dabei, inzwischen habe ich dafür leider keine Zeit mehr.
Sie betreuen das Magazin seit 1989. Konnten Sie seitdem im Bezug auf den juristischen Umgang mit Satire Unterschiede ausmachen?
Unterschiede in der Behandlung der Satire gibt es auf mehreren Gebieten, zum einen eine Veränderung der Steine des Anstoßes, früher hatten wir eine erhebliche Anzahl von Verfahren wegen Religionsbeschimpfung, insbesondere zu Beginn des Pontifikats des Karol Wojtyla, später häuften sich die Probleme mit Werbeparodien. Damals war die Rechtslage für die satirische Verwendung von Marken bzw. Anzeigengestaltungen noch relativ unklar, dies änderte sich dann Ende der 90er Jahre. Ich gehe davon aus, dass auch das starke Ansteigen von Satire- bzw. Comedysendungen im Fernsehen die Verständnisschwelle der Betroffenen etwas erhöht hat. Vor einigen Jahren gab es eine Phase von eher „privaten“ Anzeigeerstattern, bedingt wahrscheinlich durch den Umstand, dass mittels Internet oder auch in sonstigen Publikationen auch Privatpersonen vermehrt an die Öffentlichkeit treten, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass dies dann gegebenenfalls auch von Satirikern zur Kenntnis genommen wird. Beiträge in der Rubrik „Briefe an die Leser“ haben zu solchen Reaktionen geführt. Insgesamt kann man aber sagen, dass die Zahl der Verfahren stetig abgenommen hat, offenbar verträgt die Republik inzwischen doch mehr Spaß als früher. Oder die Beiträge sind harmloser geworden…
Wie viel Satire verträgt Deutschland und ist die Bundesrepublik toleranter als andere Länder?
Toleranter als andere Länder sicher nicht, Spanien zum Beispiel publiziert in seinem Magazin „El Jueves“ teilweise viel härtere Beiträge als wir, insbesondere, was das antiklerikale Genre angeht. Das amerikanische Presserecht ist wegen der hochangesiedelten Bedeutung der Meinungsfreiheit teilweise auch liberaler als unseres.
Chefredakteur Leo Fischer sagte in einem Interview, die heutigen Politiker würden Satire als PR verstehen. Stimmen Sie dieser Aussage zu und erheben Politiker heutzutage seltener Klage?
Helmut Kohl hat Satire sicher für sich genutzt, auch Roland Koch ist ziemlich resistent und entweder gut beraten oder humorvoll. SPD-Politiker haben ersichtlich ein geringeres Satireverständnis, wenn wir von Politikern verklagt wurden, gehörten sie immer der SPD an.
Ist der Ausgang eines Prozesses auch davon abhängig, ob der Richter Sinn für Humor hat?
In hohem Maße.
Gibt es den typischen Titanic-Kläger?
Den typischen Kläger gibt es eigentlich nicht, aber im Zweifel erhöht es die Klagefreudigkeit, wenn jemand sich gerade in einer eher emotional empfindlichen Position befindet: Keiner mag es, wenn man sich über eine Todesanzeige lustig macht, sei sie auch noch so grotesk, und ein Politiker auf dem absteigenden Ast klagt eher als einer, der auf der Welle des Erfolges schwimmt. Daher rührt vielleicht die gehäufte Empfindlichkeit auf Seiten von SPD-Politikern.
Wenn Sie zurückblicken, an welchen Prozess erinnern Sie sich in all den Jahren besonders?
Besonders haften bleiben natürlich Niederlagen – dass ich damals mit Henscheid gegen den Sohn von Böll verloren habe, halte ich heute noch für ein absolutes Fehlurteil, und dass – auch wenn ich die Sache selbst damals nicht bearbeitet habe – Engholm so teuer geworden ist, das wurmt mich auch. Aber der Fall Engholm zeigt auch recht deutlich, dass auch Richter natürlich Schwierigkeiten mit der Objektivität haben, wenn es um Politiker geht. Insgesamt scheinen sie öfter dem Irrtum zu erliegen, ein Urteil, mit dem Satire freigesprochen wird, bedeute für sie zugleich eine Parteinahme für den Sieger, was sicherlich nicht wahr ist. Insofern hat Tucholsky immer noch recht, der einmal sagte, Richter hätten nur festzustellen, dass mehrere Meinungen im Volke vertreten seien, die alle ihre Existenzberechtigung haben, eine Forderung, die nach wie vor nicht immer Gehör findet.
Frau Rittig, vielen Dank für dieses Gespräch.
Was für eine Frechheit, dachte ich mir heute morgen in der S-Bahn, als ich den SPIEGEL-Artikel „Carpe Mortem“/Ausgabe 28, las. Der Autor beschäftigt sich darin mit Michael Jacksons Tod und dessen erbarmungsloser Vermarktung.
Bevor er Jacko in höchsten Tönen lobt was seine professionelle Arbeit angeht, bringt er Tupac ins Spiel und schreibt folgendes: „Doch Jackson war eben kein Rapper, der sich in der Flughafenlobby mal ein paar Reime einfallen lässt und sie vor dem Essen noch schnell aufnimmt“.
Was ist denn da los in Hamburg? Das geht ja gar nicht! Gibt’s da keinen Rap-Beauftragten, der nach diesem Absatz auf die Barrikaden hätte gehen müssen? War Tupac nicht der Poet schlechthin, der bis heute seinesgleichen sucht? Schon der Wikipedia-Eintrag hätte Licht ins Dunkel bringen müssen, dort heißt es: „In Hip-Hop-Kreisen wird 2Pac eine unverwechselbare, lyrische Fähigkeit im traditionellen Sinn von Literatur zugesprochen.“
Was bedeutet dieser Lapsus nun? Einerseits nutzt die SPIEGEL-Redaktion offensichtlich Wikipedia nicht, was man ihnen eigentlich hoch anrechnen sollte. Andererseits hat sie von Rap nicht die geringste Ahnung!





